Herbstklausur des Kreisvorstands

Veröffentlicht am 25.10.2018 in Allgemein

Lars Castellucci stellt sich vor Foto: B.Fröhlich

Am vergangenen Wochenende fand die jährliche Klausur des Kreisvorstands in Bartholomä auf der Ostalb statt.

Auf dem Programm standen die kommende Eoropawahl am 26.Mai 2019 und die zeitgleich stattfindenen Kommunalwahlen: Gemeinderat, Kreistag und Regionalversammlung werden neu gewählt. Die Modalitäten von Organisation, Kandidatensuche und geplanten Aktivitäten im Kreis nahmen in den beiden Tagen den meisten Raum ein.

Ein kurzfristig eingefügter Tagesordnungspunkt befasste sich mit der überraschenden Kandidatur von Lars Castellucci als Landesvorsitzender. Lars fand dankenswerterweise auch Zeit und kam trotz langer Anreise aus Wiesloch auf`s Härtsfeld um sich persönlich vorzustellen. Aufgrund seiner Erfahrung auch als stellvertretender Landesvorsitzender berichtete er von der wenig zufriedenstellenden Arbeit der letzten 2 Jahre im Landesvorstand. Vor allem die Arbeit für das Land ließ sehr zu wünschen übrig, war doch von dem vielzitierten "Erneuerungsprozess" wenig zu spüren. Vor allem die praktische Umsetzung in die Landespolitik gelang nicht. Lars wünschte sich eine stärkere Vernetzung mit der Landtagsfraktion, die sicher auch in der Funktion des/der Genaralsekretärs/sekretärin begründet liegt. Dieses Amt sollte aus der Fraktion besetzt werden und ehrenamtlich ausgeübt werden.

Leni Breymaier hatte leider keine Zeit, der Einladung zu folgen.

Kreisvorsitzender Michael Beck ergänzte mit einem Bericht seiner Erfahrungen als Mitglied des Landesvorstand, die er als wenig zielführend und oft mit einer negativen Atmosphäre in den Sitzungen erlebte. Michael erklärte, deshalb nicht mehr für den Landesvorstand zu kandidieren. 

Der Nachmittag begann mit einem Impuls zur Geschichte des Widerstandskämpfers Georg Elser, der in Königsbronn in direkter Nähe zum Tagungsort aufwuchs. Ein Bericht von einem Besuch der Gedenkstätte regte zur Nachdenklichkeit über die Notwendigkeit des "Neinsagens" gegen jegliche totalitäre Tendenzen an. Umso erschreckender die zunehmende rechte Gewalt und der hemmungslose Sprachgebrauch im NS Duktus der AfD. Wehret den Anfängen!

Am Nachmittag wurde das Kreistagswahlprogramm der Fraktion diskutiert und die vorschläge der Mitglieder zum Programm eingearbeitet.

Der Wahlkampf beginnt, viel Arbeit steht an, der Kreisvorstand ging gestärkt und mit Motivation ins restliche Wochenende.

BF

Ein Bericht vom Besuch der Georg-Elser-Gedenkstätte in Königsbronn

Hätte er die Welt verändert?

Betrachtung zum Besuch in der Gedenkstätte Georg Elser, Königsbronn

Der Landeselternbeirat hatte getagt. Klausur am Wochenende auf dem Härtsfeld. Nun stand zum Abschluss ein Besuch in der Gedenkstätte des Hitler Attentäters Georg Elser im unweit gelegenen Königsbronn an.

Idyllisch gelegen am Brenz Ursprung, hat die Gedenkstätte in einem historischen Gebäude eine Heimat gefunden. Gegenüber der alten Wassermühle, in Sichtweise der ehemaligen Schwäbischen Hüttenwerke, Industriestandort seit mehr als 600 Jahren.

Doch reich wurde hier niemand, Arbeiter in der Schmiede die einen, Bauersleute auf der kargen Alb die anderen.

Wir treten die Führung mit Joachim Ziller, dem Leiter der Gedenkstätte, an.

Erster Raum

Kindheit und frühe Erwachsenenjahre

In diesem Milieu ist Georg Elser aufgewachsen, Kind armer Leute. Und doch mit reichen Gaben gesegnet, musikalisch war er, hat als Schreiner selbst Musikinstrumente gebaut und in Kapellen gespielt. Seine Familie hat er geliebt, der kleine Neffe wuchs im Hause auf und hatte im Onkel Georg eine wichtige Bezugsperson.

Und mit einem analytischen Verstand war er gesegnet. Ingenieur hätte er in anderen Zeiten werden können, oder ein begabter Künstler.

Ein schönes Musikinstrument liegt da im Schaukasten. Darauf hat er gespielt, die Intarsien dort in dem Möbelstück kunstfertig gestaltet.

Am Bodensee lebte und arbeitete er, verdingte sich als Schreiner und reparierte Uhren, erwarb so Kenntnisse, die ihm später beim Bau der Bombe zugute kamen.

 

Zurück in Königsbronn war er ab 1936 Hilfsarbeiter in einer Heidenheimer Armaturenfabrik. Durch seinen Arbeitsplatz erlangte er Kenntnis von den massiven Aufrüstungsanstrengungen des NS-Regimes. In der Firma wurden in einer „Sonderabteilung“ Pulverkörner gepresst und Geschosszünder hergestellt. Durch seine spätere Tätigkeit in der Versandabteilung hatte er Einzelheiten über die geheimen Arbeiten dieser „Sonderabteilung“ erfahren. Die gepressten Pulverkörner wurden auch an andere Firmen weitergegeben.

Georg Elser hat sich entschlossen, etwas zu tun. Nicht nur die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, der Reglementierung und Gängelung im Alltag, sondern vor allem die Kriegsabsicht führten dazu.

„Die von mir angestellten Betrachtungen zeitigten das Ergebnis, dass die Verhältnisse in Deutschland nur durch eine Beseitigung der augenblicklichen Führung geändert werden könnten. Unter der Führung verstand ich die ‚Obersten‘, ich meine damit Hitler, Göring und Goebbels. Durch meine Überlegungen kam ich zu der Überzeugung, dass durch die Beseitigung dieser 3 Männer andere Männer an die Regierung kommen, die an das Ausland keine untragbaren Forderungen stellen, ‚die kein fremdes Land einbeziehen wollen‘ und die für eine Verbesserung der sozialen Verhältnisse der Arbeiterschaft Sorge tragen werden.“

– Gestapo-Protokoll vom November 1939

Hätten wir, in der damaligen Zeit, die unserer Eltern und Grosseltern, auch erkennen können, in welch Abgrund Nazideutschland treiben wird? Wären wir Verführte geworden oder gar im Widerstand? Niemand kann das für sich beantworten. Informiert durch den Geschichtsunterricht und sensibilisiert durch die Aufarbeitung des Faschismus, sind wir nicht in der Lage, diese Frage unvoreingenommen zu beantworten. Auch wenn wir hoffen, dass wir selbst den Einsicht und den Mut zum Widerstehen gehabt hätten.

Vorbereitungen

Nun begann er, einen Bombenanschlag zu planen. Da Hitler bekanntlich abends vor jedem Jahrestag seines gescheiterten Putschversuchs vom 9. November 1923 im Münchner Bürgerbräukeller eine Rede hielt, beschloss Elser, in die Säule direkt hinter dem Rednerpult eine Zeitbombe einzubauen

Ein Jahr hatte er Zeit, bis zur nächsten Kundgebung 1939.

Im Steinbruch

Georg Elser verdingte sich im Steinbruch von Georg Vollmer in Königsbronn-Itzelberg . Er übernahm die gefährlichsten Aufgaben freiwillig, man hielt ihn für einen Sonderling. Tatsächlich eignete er sich so umfassende Kenntnisse über den Umgang mit Sprengstoff an. Im Sommer 1939 zog er nach München und mietete dort eine kleine Werkstatt. Den Nachbarn gegenüber gab er sich als Erfinder aus und konnte so unauffällig einen Zeitzünder konstruieren.

Nachts im Hofbräuhaus

Hitler stand immer an der gleichen Stelle.

Dort war die Rednertribühne aufgebaut, umgeben von den wichtigsten Nazis, auch Goebbels war immer dabei.

Da musste das Attentat stattfinden.

Elser ließ sich in der Nacht im Wirtshaus einschließen. Er arbeitete daran, eine tragende Säule auszuhöhlen, um die Sprengvorrichtung dort zu verstecken. Morgens durfte nichts mehr zu sehen sein. Der versierte Schreiner hatte eine Scheintür gearbeitet und setzte sie unsichtbar in die Säule ein. Den anfallenden Bauschutt transportierte er morgens in der Brotzeittasche ab – im Schutz der Passanten, die die Passage durch das Hofbräuhaus als Abkürzung zur Straßenbahn benützten.

Niemand bemerkte etwas.

Das Attentat

Elser hatte einen ausgetüftelten Sprengsatz konstruiert, mit doppeltem Zeitzünder.

Der Tag der Kundgebung war gekommen, die Bombe war platziert und scharf gemacht.

Dann geschah das Unvorhersehbare: Hitler hielt den gewohnten Zeitplan nicht ein!

Hitler musste sofort nach Ende der Rede nach Berlin zurück. Ein Flug war geplant und konnte wegen Nebels nicht stattfinden. Um den Zug rechtzeitig zu erreichen, wurde die Veranstaltung vorverlegt und Hitler verließ den Saal vorzeitig –um 13 Minuten.

Als die Bombe explodierte, exakt um 21.20 Uhr, war keiner der Nazibonzen mehr im Saal. Von den letzten Zuschauern starben bei der Explosion 8 Personen.

Die Festnahme

Elser hatte geplant, über den Bodensee in die Schweiz zu flüchten. Dort wurde er festgenommen, weil seine Grenzkarte abgelaufen war.. Papiere und Teile des Zeitzünders, die er bei sich hatte, machten ihn verdächtig.

Das Verhör

Ein kleiner, klaustrophobisch anmutender Raum im Museum, mit Gittern befestigt, symbolisiert das Gestapogefängnis.

Fieberhaft wurde nach Mittätern gefahndet, denn einem einfachen Schreiner traute man so ein komplexes Attentat nicht alleine zu.

Fast ganz Königsbronn wurde verhaftet. Elsers Schwester Maria und ihr Mann wurden in Stuttgart im berüchtigten Hotel Silber scharf verhört, der kleine Neffe Franz ins Heim gesteckt.

Die kleine Stadt war traumatisiert. Noch in den 80`ern wurde Königsbronn „Attentatshausen“ im Volksmund genannt. Der Neffe Franz Hirth schämte sich bis ins hohe Alter, einen Mörder zum Onkel zu haben. Erst durch den Film Klaus Maria Brandauers „Georg Elser – einer aus Deutschland“ von 1989 begann man, Georg Elser als Attentäter ernst zu nehmen und seine Tat mit den Stauffenbergattentätern gleich zu bewerten. Heute ist Franz Hirth, letzter lebende Zeitzeuge Georg Elsers, stolz auf seinen Onkel.

Wenn der Name des Attentäters  überhaupt erwähnt wird, heißt es meist, die Hintergründe des Anschlags im Bürgerbräukeller seien ungeklärt. Die einen meinen, Elser sei ein Agent der Engländer gewesen, andere erklären, die Nationalsozialisten hätten das Attentat organisiert, um den Glauben an den angeblich von der Vorsehung beschützten Führer zu stärken. Außerdem wird herablassend gefragt, wie ein "einfacher Schreiner" die große Politik verstehen konnte. Und woher sich der Mann ohne akademische Würden das Recht genommen habe, Menschen zu töten? Der Reutlinger Elser-Biograf Hellmut G. Haasis hat es auf den Punkt gebracht: "Elser fehlte alles, was man in Deutschland von einer anständigen Geschichtsgröße erwarten muss: Abitur, Doktortitel, blaues Blut, militärischer Rang und bedeutende, saubere Verwandtschaft – und ein schönes Erbe im Rücken."[1]

Sind wir alle frei von Dünkel? Ist der eine ein Held, strahlend durch seinen Opfertod, der Andere ein Sonderling, gar ein gemeiner Mörder? Hätten wir Ähnlich gehandelt, alle Konsequenzen in Kauf genommen, oder hätten wir uns feige weggeduckt? Oder Skrupel dabei gehabt, „Unschuldige“ mit in den Tod zu reißen?

Elser wurde zunächst als „Sonderhäftling des Führers“ ohne Gerichtsverfahren im KZ Sachsenhausen, später im KZ Dachau unter dem Decknamen Eller gefangen gehalten. Er hatte eine eigene Zelle, wurde vergleichsweise gut behandelt und hatte eine eigene Werkbank und eine Zither. Nach dem „Endsieg“ sollte er in einem Schauprozess abgeurteilt werden. Hitler, der den Anschlagsort kurz vor der Explosion der Bombe unerwartet verlassen hatte, sah Elser als seinen persönlichen Feind an. Er ließ ihn erschießen nach 5 ½ Jahren KZ-Haft am 9. April 1945 – einen Monat vor der Kapitulation der Wehrmacht und 20 Tage vor der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau durch US-Truppen. Der SS-Oberscharführer Theodor Bongartz ermordete Georg Elser am 9. April 1945 gegen 23:00 Uhr, wenige Wochen vor Kriegsende, in Dachau durch einen Genickschuss. Die Leiche von Elser wurde anschließend im Krematorium verbrannt[2]

Der Rundgang endet

Herr Ziller berichtet uns zum Schluss der Führung über die sehr erfolgreiche Arbeit der Gedenkstätte mit Schülern.

Es bleibt zu hoffen, dass die Erinnerung an die Gräuel und die Aufklärung über die Entstehung von Faschismus und Terrorregime nicht nachlässt. Die Bilder aus unserem aufgeklärtem Deutschland über fremdenfeindliche Demonstration, Schmierereien an Kinos, die den Elser-Spielfilm zeigen wollten, die Taten des „Nationalsozialistischen Untergrunds“, die, quer durch die Republik,  neun Menschen alleine wegen Ihrer Herkunft aus einem anderen Land ermordet haben, die Mordbrennereien an Flüchtlingsheimen, zeigen, dass wir nicht nachlassen dürfen im Bemühen, unsere zu Kindern wahrhaften Demokraten zu erziehen.

Barbara Fröhlich

Bericht erschienen in "Schule im Blickpunkt" Juli 2015

 

[1] Kontext Wochenzeitung 208 25.03.2015

[2] Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Elser

 

Termine

Alle Termine öffnen.

25.06.2019, 19:30 Uhr Vorstandsitzung
Sitzung des SPD Ortsvereins Denkendorf Wahlanalyse Terminplanung

Alle Termine

Seitenzugriffe

Besucher:309693
Heute:11
Online:1

Aktuelles Wetter in Denkendorf

Newsticker

12.06.2019 08:12 Högl/Heidenblut zu Betreuervergütung
Bundesrat macht den Weg frei: mehr Geld für gesetzliche Betreuer Am 07. Juni 2019 hat der Bundesrat das Gesetz zur Anpassung der Betreuer- und Vormündervergütung gebilligt. Der Bundestag hatte das Gesetz bereits im Mai beschlossen. „Bund und Länder hatten sich im Vorfeld auf diesen Gesetzentwurf verständigt. An diesem Kompromiss wurde nicht mehr gerüttelt. Es ist

11.06.2019 07:10 Marja-Liisa Völlers zu Ganztagsbetreuung
Ziel bleibt Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung im Grundschulalter bis 2025 Im Rahmen der Kultusministerkonferenz haben die Länder heute aktuelle Kostenberechnungen über den geplanten Rechtsanspruch für Grundschulkinder auf einen Ganztagsplatz vorgestellt. Demnach reichen die vom Bund zugesagten zwei Milliarden Euro nicht aus. Die SPD-Bundestagsfraktion hält am Ausbau des Ganztags fest, um die Länder bei der Realisierung des

06.06.2019 19:31 Kampf gegen Lebensmittelverschwendung intensivieren
Am Thema Lebensmittelverschwendung komm niemand vorbei, wer das Ziel Nachhaltigkeit verfolgt. 85 Kilogramm wirft jeder deutsche Privathaushalt im Jahr durchschnittlich weg. Auch in Erzeugung, Handel und Gastronomie landen viel zu viele kostbare Nahrungsmittel im Müll. „An guten Ideen und Ansätzen Lebensmittelverschwendung zu bekämpfen mangelt es nicht. Einige Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels engagieren sich bereits gegen Verschwendung.

05.06.2019 06:48 Wir wollen weiter Träger der Denkanstöße sein
Vor der Presse kündigt der kommissarische Fraktionschef Rolf Mützenich für die Sommermonate eine starke inhaltliche Konzentration auf wichtige Themen an. Die Fraktion werde alles dafür tun, dass Sozialdemokraten sichtbarer werden für die Menschen in unserem Land. Das Videostatement auf spdfraktion.de

04.06.2019 19:49 Rolf Mützenich kommissarischer SPD-Fraktionsvorsitzender
Kölner Abgeordneter übernimmt Vorsitz nach Rücktritt von Andrea Nahles Andrea Nahles tritt an diesem Dienstag vom Vorsitz der SPD-Bundestagsfraktion zurück. Der nordrhein-westfälische Abgeordnete Rolf Mützenich übernimmt als dienstältestes Vorstandsmitglied kommissarisch den Posten. Nach dem Rücktritt von Andrea Nahles als SPD-Fraktionschefin hat der Geschäftsführende Vorstand der Fraktion einstimmig sein dienstältestes Mitglied Dr. Rolf Mützenich zum kommissarischen Fraktionsvorsitzenden benannt. Der 59-Jährige erklärte

Ein Service von websozis.info